Nerdfunk 434: Das Slot-Machine-Dilemma

Es scheint, dass sich Digichris langsam, aber sicher zu unserem Mann fürs Grobe mausert. Sprich: Mit uns aktuelle Volksbegehren auf ihre Nerd- und Digitaltauglichkeit abklopft.

Heute geht es ums Geldspielgesetz, über das wir am 10. Juni abstimmen: Das zielt gegen die ausländischen Anbieter von Glücksspielen im Netz, die mit Online-Poker, Sportwetten, virtuellen Roulette-Tischen und simulierten Slot-Machines hierzulande etwa eine Viertelmilliarde Franken pro Jahr verdienen. Das ist den Initianten ein Dorn im Auge: Das auf den ausländischen Plattformen verspielte Geld fliesst in ausländische Steueroasen ab. Die Befürworter des neuen Gesetzes argumentieren ausserdem, dass Geldspielen mit einheimischen Casinos und Online-Anbietern Erträge für gemeinnützige Zwecke produziert: Nicht nur die AHV, sondern auch Kultur-, Sozial- und Sportanlässe werden via Lottofonds unterstützt. Und die hiesigen Anbieter sind verpflichtet, sich gegen Spielsucht und Geldwäscherei einzusetzen, während die ausländischen Anbieter sich allenfalls selbst regulieren.

Eine Regulation klingt nach einer sinnvollen Sache. Doch das Gesetz hat einen Haken und stürzt gerade die Vertreter eines freien Internets in ein echtes Dilemma: Das Gesetz würde nämlich mittels Netzsperren durchgesetzt – und Netzsperren sind tabu. Es zeigt sich, dass Netzsperren oft übers Ziel hinausschiessen und mehr blockiert wird, als das Gesetz eigentlich zulässt. Das so genannte «Overblocking» fordert oft beträchtliche Kollateralschäden. Es kann auch zu Zensurzwecken missbraucht werden, fürchten viele oder sogar einen Dammbruch auslösen und dazu führen, dass am Schluss alles blockiert wird, das den Kontrolleuren dieser Filter nicht in den Kram passt.

Wir diskutieren darüber: Sind Netzsperren so schlimm, wie wir glauben? Oder sind sie im Gegenteil harmlos, weil leicht umgehbar? Lohnt es sich, wegen ein paar Online-Casinos diese Büchse der Pandora zu öffnen? Und gäbe es allenfalls auch andere Methoden, um die Ziele der Initianten zu erreichen?

Weiterlesen →


Nerdfunk 433: Tag der Arbeits-Apps

Wir wollten eigentlich die schönsten Apps fürs virtuelle Demonstrieren, die beste digitale Kapitalismuskritik und die akkurateste Simulation des schwarzen Blocks zusammensuchen. Leider sind wir nicht fündig geworden – darum gibt es nun Tipps fürs arbeitende Volk und für die Fleissigen unter uns Nerds.

Die Tipps kommen aus drei Bereichen: Zur Verwendung eigener Geräte für berufliche Zwecke, ein Trend, der unter dem Schlagwort «Bring your own device» immer weiter um sich greift. Das verbunden mit der Frage, wie man die – Achtung, noch ein Schlagwort! – Work-Live-Balance aufrecht erhält.

Die beiden anderen Bereiche sind die Kommunikation im Team und die Erfassung von Arbeitszeit und Tätigkeiten – damit man auch den Feierabend rechtzeitig antreten kann.

Und wenn wir dazu gekommen wären, hätte es auch einige schöne Tricks zur Frage gegeben, wie man die Arbeitszeit mit Youtube-Sehen und Solitär-Spielen verbringen kann, ohne vom Chef erwischt zu werden.

Weiterlesen →


Nerdfunk 432: Farid Rechsteiner und Kollegah Schüssler

Wir sprechen wieder einmal über Dinge, von denen wir nur wenig Ahnung haben. Dieses Mal: Gangsta-Rap. Aber es ist nun einmal so, dass Matthias in den Ferien war und von gar nichts etwas mitbekommen hat – ausser eben von den Aufregern, die in es in die Podcasts geschafft hat, die Matthias sich mit den Füssen im Pool zu Gemüte führen wollte.

Aber da Kummerbox Live stattfindet, tun wir dann doch noch etwas, von dem wir Ahnung haben: Wir beantworten nämlich Hörerinnenfragen. Es geht darum, wie man herausfindet, mit welchen Apps am iPhone man am meisten Zeit verbringt – und allenfalls auch, womit man sie vertrödelt. Wir diskutieren, mit welchen Methoden man einem alten Mac-Maschineli auf die Sprünge hilft. Und wir fragen, ob es die Möglichkeit gibt, digitale Magazine komfortabler zu machen.

Ach ja: Diese Sendung hat keine Preshow, da wegen der Kinderkulturwochen auf Radio Stadtfilter bis dreissig Sekunden vor dem Nerdfunk schöne Kinderbücher vorgestellt wurden. Es gibt aber eine Premiere, nämlich eine After-Show: Denn da die nachfolgende Sendung eine No-Show war, konnten wir ein bisschen überziehen. Sinnvoll war das nicht, da wir nur leeres Geplänkel fabriziert haben. Aber wenigstens uns hat es Spass gemacht. \o/

Weiterlesen →


Nerdfunk 431: Werbung hat keine Zukunft

Die Werbung: Eines der grössten massenpsychotischen Phänomene, seit sie im 19. Jahrhundert erfunden wurde. Die Medienbranche meinte, ihre ganze Existenz auf der Werbung als Einnahmequelle abstellen zu müssen. Ganze Heerscharen von jungen Leuten haben sich zu Textern, Werbefotografen oder -grafikerinnen, Kampagnenplaner und PR-Beraterinnen ausbilden lassen. Und bekannte Werber sind nicht nur reich geworden – sie hielten sich bis vor Kurzem auch für Leute mit Ansehen und Einfluss (siehe Rudolf Farner, dem das Bonmot «Gebt mir eine Million, und ich mache aus einem Kartoffelsack einen Bundesrat» zugeschrieben wird).

Bis das Internet uns schonungslos vor Augen führte, dass Werbung nicht funktioniert. Niemand klickt die Banner an. Die zielgerichtete Werbung (das Targeting) läuft ins Leere. Und nicht nur das: Werbung wird oft als so lästig wahrgenommen, dass Internetnutzer sie meiden, wo es nur geht und sie mit allen technischen Mitteln filtern, blockieren und aussieben. Und es gibt sogar Kampagnen, welche werbefreie Städte propagieren. Denn auch Plakate werden immer häufiger als Ärgernis wahrgenommen – was natürlich auch damit zu tun hat, dass Werbeflächen elektronisch werden, leuchten und blinken und viel aufdringlicher als früher um Aufmerksamkeit heischen.

Das hat eine riesige Krise ausgelöst: Den Medien brechen die Einnahmen weg, die Werbung im Internet wird aggressiver und die Abneigung bei den Internetnutzern noch grösser. Und irgendwann mal wird die Krise auch das werbefinanzierte Fernsehen umkrempeln und sich die Erkenntnis nicht mehr aufschieben lassen, dass Werbung keine Daseinsberechtigung mehr hat.

Aber wie weiter? Sind neue, noch problematischere Werbeformen wie das Native Advertising und das Influencer Marketing (siehe Nerdfunk 423) unvermeidlich? Wir sind der Ansicht, dass jetzt die Zeit für einen Neustart gekommen ist – und für ein faires Modell, das so funktioniert, wie es funktionieren sollte. Wie das gehen soll, erklären wir in dieser Sendung.

Weiterlesen →


Nerdfunk 430: Das himmelblaue Chilbimonster

Das war ein Skandal mit Ansage: Im März 2018 enthüllten mehrere Medien, gestützt auf den Whistleblower Christopher Wylie, wie die dubiose Datenanalysefirma Cambridge Analytica persönliche Informationen von Millionen Facebook-Nutzern absaugen konnte. Diese Daten wurden im US-Wahlkampf 2015 für die Präsidentschaftskandidatur des republikanischen Sentators Ted Cruz verwendet, um Wähler mit massgeschneiderten politischen Botschaften einzudecken. Und sie haben offenbar 2016 auch bei der Brexit-Abstimmung eine Rolle gespielt.

Facebook geht unvorsichtig mit den Nutzerdaten um: «Wen wundert es?» fragen sich die einen. «Jetzt ist Facebook zu weit gegangen», wettern die anderen – und die Empörung ist bei allen gross. Wir gehen der Sache nüchtern auf den Grund, bewerten das Ausmass und diskutieren Forderungen: Was ist passiert und wie gross war und ist der Einfluss des sozialen Netzwerks bei Abstimmungen und Wahlen? Braucht es Massnahmen? Müssen wir – Stichwort #DeleteFacebook – alle Zuckerberg den Rücken kehren? Braucht es politische Massnahmen oder einen kompletten Neuanfang in Sachen Social Media?

Weiterlesen →


Nerdfunk 429: Wir feiern 30 Jahre Computerwurm

Drei Dekaden gibt es sie nun – und damit fast genauso lange wie die Mainstream-Computernutzung. Die Computerviren. 1988 hat ein Wurm namens «Morris» vorgeführt, wie sich eine Software selbst im Netz verbreitet und ohne menschliches Zutun von Computer zu Computer verpflanzt. Damals geschah das in guter Absicht. Der Wurm sollte nämlich herausfinden, wie gross das Internet damals war.

Heute ist das natürlich ganz anders: Da werden Viren mit allen möglichen und unmöglichen kriminellen Absichten in die Welt gesetzt: Erpressung, Datendiebstahl, Terrorismus, Sabotage und Betrug, um nur einige der Motive zu nennen.

Trotzdem kommen wir nicht umhin, das Thema mit einer gewissen Nostalgie zu beleuchten. Denn da wir fast so lange Computer benutzen, wie es die Computerschadsoftware gibt, war es ein ständiger Begleiter. Wir sind keinem dieser digitalen Schädlinge so richtig ins Messer gelaufen. Kevin hat den «Morris-Wurm zwar persönlich kennengelernt – aber nur in Form einer Diskette, beim Museumsbesuch. Und Matthias hatte just zu seinem Einstand beim Tagi mit dem «I love you»-Wurm zu tun, der damals nichts anderes wollte, als die Geständnisse der Zuneigung und Betörung rund um den Erdball zu verbreiten. (Na gut, er hat auch Millionen von Mailboxen verstopft. Aber ist das nicht ein geringer Preis für eine Liebesepidemie?)

Nein, keine Angst: Wir werden zwar ein bisschen vergangenheitsverliebt, aber reissen uns dann auch am Riemen. Schliesslich ist die Malware heute ein riesiges Geschäft mit gigantischen Schadenssummen – und nicht mehr das unschuldige Spiel mit den unbegrenzten Möglichkeiten eines noch babyhaften Internets.

Weiterlesen →


Nerdfunk 428: Total verdichtet

Unser Teamveteran Raoul René Melcer scheint allem Digitalen abgeschworen zu haben, um dieser Tage mit seiner Band Total Verdichtet für Furore zu sorgen – was an sich eine Steilvorlage für eine Sondersendung zum Thema Winzip, WinRAR, Stuffit und TAR nahelegen würde. Doch wir halten uns an unseren Auftrag und behandeln wie jeden letzten Dienstag die Fragen der Hörerinnen und Hörer, die wiederum zuhauf eingetrudelt sind.

Und bei der Sache kommen wir durchaus dazu, ein Thema zu verdichten. Denn was beschäftigt, ist die gefühlte Unsicherheit: Bedrohung durch unfreundliche Schadprogramme wie die fabulösen Cryptotrojaner, beängstigende Warnungen nicht von irgendwem, sondern vom eigenen Internet-Provider, irritierende Sicherheitsofferten von Geldinstituten, und dann die Erkenntnis, dass Virenscanner nicht nur oft lästig sind, sondern teils gravierende Nachteile haben. Bleibt also die Frage: Was tun, um sicher zu sein, es aber nicht zu übertreiben?

Und das sind die konkreten Kummerbox-Live-Fragen: Laufen auch Macanwender Gefahr, von einem Kryptotrojaner erpresst zu werden? Braucht es einen Virenscanner für den Mac und sollte man wegen der Sicherheit den Secure Browser von PostFinance benutzen? Und Was tun, wenn der Provider einem unterstellt, man verwende vireninfizierte Internet-der-Dinge-Geräte?

Weiterlesen →


Nerdfunk 427: Schlanke Text-App statt fettem Office-Paket?

Der PC verdankt seinen Siegeszug nicht ausschliesslich, aber zu einem ganz gewichtigen Teil einer ganz bestimmten Softwaregattung: Nämlich dem Office-Paket, einer Sammlung von Büroprogrammen, bestehend klassischerweise aus Textverarbeitung, Tabellenkalkulation und Präsentationsprogramm. Um genau zu sein: Es war das Programm VisiCalc, das vor bald 40 Jahren die Mikrocomputer vom Hobbygerät von den Computerfreaks zu einem ernsthaften Bürogerät beförderten – und IBM dazu veranlassten, den IBM-PC voranzutreiben, der die Computerrevolution erst so richtig in Gang bringen sollte.

Heute ist das digitale Büro ganz in Microsofts Hand, doch es macht einen reichlich angestaubten Eindruck. Grosse Unternehmen wenden sich denn auch vom Office-Moloch ab, um zum Beispiel auf Google Docs zu setzen, und viele Privatanwender verwenden lieber eine schlanke Tablet-App für ihre Texte als ein hochgezüchtetes Textverarbeitungsprogramm.

Ist Office ein Auslaufmodell oder einfach so ausgereift, dass die Software kaum mehr zu verbessern und entsprechend nicht mehr der Rede wert ist? Wir wagen eine Standortbestimmung, sprechen über Alternativen und erklären, für welche Zwecke wir Office weiterhin die Treue halten.

Rampenradio: Die Sendung wurde live und openair von der Rampe vor dem Theater am Gleis in Winterthur ausgestrahlt.

Weiterlesen →


Nerdfunk 426: Der digitale Blick auf die Realität

Lukas Gasser entwickelt die App ÖV AR: Sie zeigt die Haltestellen in der näheren Umgebung und verrät, ob man noch rechtzeitig dort hingelangt, um den Bus, das Tram oder den Zug noch zu erwischen.
Der Fahrplan wird direkt ins Kamerabild eingefügt und man sieht eingeblendet auch eine Umgebungskarte.

Das nennt sich Augmented Reality (bzw. erweiterte Realität) und ist eines der grossen Trendthemen. Letztes Jahr (an der Entwicklerkonferenz WWDC 2017) ist auch Apple auf den Zug aufgesprungen und verspricht «Superkräfte für normale Aufgaben», «verschwimmende Grenzen zwischen dem Virtuellen und dem Realen» und völlig neue Erlebnisse, zum Beispiel in der Schule: «Dein Klassenzimmer könnte zum Kosmos werden!» Sind diese Augmented-Reality-Versprechen real oder doch nur Marketing-Fiktion? Wie könnte sich diese Technologie sonst entwickeln? Und was für Ambitionen hat er überhaupt mit seiner App?

Mit der ÖV AR-App tun sich weitere Diskussionsfelder auf: Lukas nutzt nämlich Daten von opentransportdata.swiss und profitiert davon, dass die SBB und andere Organisationen inzwischen viele ihrer Daten öffentlich zur Verfügung stellen (siehe auch Nerdfunk 371).

Und: Der App-Store von Apple ist gerade zehn Jahre alt geworden. Wie sind seine Erfahrungen als Anbieter? Wie verdient man Geld und macht die Öffentlichkeit auf seine Apps aufmerksam? Hilft Apple Leuten wie ihm oder müsste der Konzern mehr für die Entwickler tun, die ihm Milliarden in die Kasse spülen?

Weiterlesen →


Nerdfunk 425: Service Public 2.0

Die Schlacht ist geschlagen und der Sendeschluss abgewendet. Doch nach dem Nobillag-Abstimmungskampf bleiben Fragen offen, die wir aus Sicht der Nerds und Streaming-Nutzer angehen: Wie müsste sich die SRG reformieren, um für Generation Z, Youtube-Fans und Netflix-Junkies noch attraktiv zu sein? Ist es jetzt an der Zeit, den Gebührenkuchen neu zu verteilen und die Idee des Service Public neu zu denken?

Darüber zerbrechen wir uns mit Digichris den Kopf. Und wir bewerten auch die Rolle der sozialen Medien, die einen ziemlich asozialen Eindruck hinterlassen haben: Da ist diese kleine, liberäre Minderheit, die so laut geschrien hat, dass jeder vernünftigen Diskurs übertönt wurde. Und wir haben uns mit Verschwörungstheoretikern herumgeschlagen, die faktenfrei jeden Facebook-Thread getrollt haben, der ihnen gerade in die Quere kam. Ist das nun die Art und Weise, wie politische Debatten in Zukunft immer ablaufen? Oder war es – wenn wir die richtigen Lehren ziehen – der Tiefpunkt, von dem es wieder aufwärts geht?

Weiterlesen →