Früher hat man Tagebuch geführt. Heute filmt man sein ganzes Leben mit der Kamera. Zumindest, wenn man Lifelogger ist. Dieser Menschenschlag will jede Minute digital festhalten – idealerweise von der Geburt bis zum Tod, inklusive den langen Stunden im Bett, wo höchstens einmal ein Schnarchen erklingt.
Ist das völlig absurd und ein Missbrauch der technischen Möglichkeiten – oder haben die Lifelogger die Sache einfach zu Ende gedacht? Was könnte der Erkenntnisgewinn aus einer solchen Datensammlung sein? Und wie steht es um die Gefahren, wenn wir den gierigen Datensammlern im Netz ungefiltertes Rohmaterial en masse überlassen?
Wir diskutieren das Phänomen des Lifeloggings philosophisch und persönlich: Wie halten wir es mit unseren eigenen Daten? Wo sammeln wir sie und wann verzichten wir explizit auf eine Datenspur? Und wir kümmern uns um die etwas moderateren Formen wie das Quantified Self, bei dem man sich von den Sensoren und tragbaren Messgeräten mehr Gesundheit und Lebensqualität verspricht.
Wir im Nerdfunk haben einen neuen Chef. Er heisst Dominik Dusek. Er hat eine jeder Hörerin von Radio Stadtfilter wohlvertraute Stimme, und er ist auch in unserer Sendung kein Unbekannter: Er gilt als analogster Mann der Welt (Digital 239), springt gelegentlich bei Kummerbox Live ein und hat uns als Berater bei seiner neuen Website hinzugezogen (Nerdfunk 387).
Und eben: Nun gibt es bei Radio Stadtfilter eine neue Organisationsform namens «Spirit», bei der Dominik nun die Verantwortung trägt für alles, was wir verbocken. Ob er dieser Last gewachsen ist, verrät er uns vielleicht in der Preshow zu dieser Sendung.
Falls nicht, sollte das eigentliche Thema der Sendung genügend hergeben: Wir treiben angewandte digitale Problemlösung in Kummerbox Live mit Fragen wie diesen: Wie bekommt man die schöne Peak-Finder-App, wenn man Android ohne Google nutzt? Was ist von Warnungen zu halten, der Bluewin-Account sei «betrügerisch»? Was muss man tun, wenn einer per Mail behauptet, er habe verfängliche Fotos über die Webcam des Laptops gemacht? Und was tut man mit alten Druckern, die nicht mehr drucken?
Einen wesentlichen Bestandteil des Internets haben wir im Nerdfunk bislang fast komplett ignoriert: Die Pornografie. Dabei ist das Interesse enorm: Wenn man den Statistiken glauben darf, sind ein Viertel aller Suchanfragen pornografischer Natur, sowie 35 Prozent des Datenverkehrs. In der Schweiz sind sieben der beliebtesten fünfzig Websites pornografischer Natur (weltweit sind es übrigens nur zwei).
Darum sprechen wir darüber: Über das enorme Ausmass des Phänomens und die Auswirkungen. Das Internet hat die Pornoindustrie seit dem «golden age», den 1960er- und 1970er-Jahren, komplett umgekrempelt. Was früher als «hard core» galt, ist heute eine Bagatelle. Ähnlich wie in der Musikindustrie ist kaum mehr Geld zu verdienen: Die grossen Plattformen funktionieren nach dem Youtube-Prinzip, indem die Nutzer dort eigene Clips oder geklautes Material hochladen. Und noch etwas ist verblüffend: Die grossen Plattformen sind alle in der Hand eines einzigen Unternehmens.
Es ist kein Vorbeikommen an dem Thema, zumindest, so lange es bei uns noch nicht, wie in England, obligatorische Pornofilter gibt. Wir versuchen uns daher mit einer persönlichen Annäherung: Sind wir als Internetnutzer begeistert über die fast unbegrenzte Auswahl – oder ist es doch eher einschüchternd, dass es mehr Pornografie gibt, als ein hormongesteuerter Teenager jemals konsumieren könnte?
Und gäbe es Mittel und Wege, dieses Geschäft mit der Lust etwas «humaner» und menschenfreundlicher zu gestalten – Stichworte: Fair bzw. Ethical Porn – oder können wir darauf warten, bis der kulturelle Backlash mit strikten Moralvorstellungen, Tabus, Netzsperren und härteren Gesetzen die virtuelle sexuelle Revolution zurückdrängt?
Früher waren die Rollen klar verteilt: Eine kleine Schar von mehr oder weniger kreativen Köpfen hat Fotos, Filme, Artikel, Bücher, Musik und Informationen aller Art zusammengetragen. Und wir, der grosse Rest, haben uns diese Werke dann zu Gemüte geführt (rezipiert, wie der Bildungsbürger zu sagen pflegt).
Das ist vorbei: Mit dem Internet kann jeder, der will, selbt kreativ tätig werden. Und das ist längst mehr als nur ein Hobby und privates Vergnügen. Bei vielen Plattformen im Netz gehört die Schaffenskraft der Nutzer zum Geschäftsplan: Schon 2011 wurde geschätzt, dass mit den Inhalten der Nutzer, dem so genannten User Generated Content, Milliarden umgesetzt werden. Allein Youtube und Facebook haben drei- bis vierstellige Millionenbeiträge umgesetzt.
Heute ist das Internet ohne die Beteiligung der Nutzer kaum mehr vorstellbar: Wikipedia ist zur unverzichtbaren Informationsquelle geworden, Youtube zur Unterhaltungsmaschine für die Massen. Die Nutzerkommentare auf den Newsplattformen geben oft mehr zu reden als die Artikel selbst. Und was würden wir tun ohne die Besprechungen der User bei Amazon, in den App Stores, bei Yelp und Tripadvisor?
Wir ergründen die Möglichkeiten des Mitmach-Internets, loben Wikipedia und nennen weniger bekannte Plattformen, wo jedermann sich austoben darf.Und natürlich tragen wir dem Umstand Rechnung, dass es auch jede Menge Kritik gibt: Der «Kult der Amateure», wie Internetskeptiker Andrew Keen dieses Phänomen nennt, hat vielen Profis die Berufsaussichten zerstört, die Verlässlichkeit von Informationsquellen untergraben und das Klima im Netz vergiftet. Doch diesen Einwänden zum Trotz überwiegt beim Mitmach-Internet der Spass und der Erkenntnisgewinn – finden wir.
Keine Geiss schleckt es weg: Das Streaming verändert alles: Wie wir Musik konsumieren, auf welche Weise die Künstler ihr Geld verdienen, und ob die Plattenbosse noch auf ihre Kosten kommen. Und auch das Radio bleibt nicht unberührt – denn es stellt sich die Frage, wieso es den Dudelfunk noch brauchen sollte, wenn alle via Spotify, Apple Music oder Tidal jederzeit genau das hören können, was sie hören wollen.
Das diskutieren wir, und zwar in vier Bereichen: Wie hat das Streaming unsere persönlichen Gewohnheiten verändert? Hat es das Musikgeschäft nach Napster gerettet oder vollends zerstört? Welche Auswirkungen hat es auf die Art und Weise, wie Musik produziert wird? Und: Was sind die weiteren Auswirkungen zum Beispiel auf Medien, Hitparade und Gesellschaft.
Ellen Gromann reist und bloggt im Einklang. Und sie hilft uns, eine Tradition weiterzuführen und gleichzeitig mit einer alten Angewohnheit zu brechen: Die Tradition ist, dass wir in der letzten Folge vor der Sommerpause einen Vertreter der bloggenden Zunft in der Sendung haben. Seit BloggingTom 2014 diesen Brauch begründete, waren es immer Männer – und das muss nicht sein, da die Tech-Welt zwar schon ziemlich männerdominiert ist, Bloggerinnen nun aber nicht wirklich einen Seltenheitswert haben.
Darum freuen wir uns, dass heute die Frau hinter patotra.com bei uns zu Besuch ist: Ellen bloggt seit 2014 über Reisen, genauer übers Reisen mit Teenagern und Kindern. Sie ist auf allen Kontinenten unterwegs, kann aber auch den Zielen in der näheren und ganz nahen Umgebung etwas abgewinnen. Sie berichtet nicht nur von ihren Reisen, sondern gibt auch Empfehlungen zu kulinarischen Belangen, hält Ratgeber bereit (wie man Deos selbst macht oder Langstreckenflüge überlebt), hält Reise-Quizzes ab und ist mit Leidenschaft bei der Sache (schliesslich steht Patotra auch für Passion to Travel).
Wie immer in der letzten Sendung vor der Sommerpause geht es um eine Einstimmung auf die etwas entspanntere Zeit und um die Frage, wie Ellen zum Bloggen gekommen ist, welches ihre Ansprüche sind, wie sie es mit der Unterstützung durch die Reiseindustrie hält – und wie man es macht, dass das Reisen mit Kindern auch wie beabsichtigt entspannend ist und nicht zur Nervenprobe ausartet.
… sonst wäre diese Folge wahrscheinlich von irgend einem Algorithmus zum Schutz des Publikums ausgefiltert worden. Denn wie man lesen konnte, ist das Internet mal wieder in Gefahr. Dieses Mal ist die EU schuld: Sie will das Urheberrecht neu und besser schützen – und zwar auf eine Art und Weise, die dazu führen könnte, dass bei den grossen Plattformen viele Dinge automatisch schon vor der Veröffentlichung getilgt werden.
Diesen dreckigen Job erledigen die Uploadfilter, die Schwarzkopien automatisch erkennen sollen. Doch mit sehr grosser Wahrscheinlichkeit werden diese Systeme echte Piraterie nicht von Parodien und Zitaten, von Memes und Remixen unterscheiden können. Und darum werden es eigentliche Zensurmaschinen sein, wie viele befürchten.
Ähnlich absurd das Leistungsschutzrecht: Wer Titel und Lead von Presseartikeln zitiert, soll dafür zahlen müssen – selbst wenn es bloss darum geht, Inhalte von Medienportalen zu verlinken. Blogs, die intensiv mit Links auf fremde Quellen arbeiten, sind dadurch in ihrer Existenz gefährdet.
Uns bleibt also nichts anderes übrig, als zu Beginn dieser Sendung gegen diese Fehlentwicklung zu protestieren, die uns auch in der Schweiz tangieren wird – selbst wenn das Gesetz bei uns nicht direkt gilt, wird es indirekt wohl trotzdem seine Wirkung entfalten.
Abgesehen vom Protest geht es in der heutigen Sendung um Kummerbox Live: Es sind diverse spannende Fragen bei uns aufgelaufen. Zum Beispiel die: Was tut man, wenn nicht nur das Passwort zu einem Benutzerkonto vergessen gegangen ist, sondern auch die Mailadresse? Warum spielt das iPad Videos nicht mehr im Vollformat?
Und bei dieser Frage wittert unser Hörer sogar einen echten Skandal: Die Windows-Firewall funktioniert nämlich nicht so, wie sie sollte! Plus die Frage nach schönen Fotoalben – und wie man sie schnell erstellt.
Ein Versprechen vorab: Nein, der Nerdfunk wird nicht zum Game-Podcast. Dass es noch einmal ums Spielen geht, ist Zufall und hat mit den Unwägbarkeiten des Lebens und der Themenplanung zu tun. Und damit, dass Kevin ein neues Hobby hat.
Er hat sich einen Raspberry Pi beschafft und den zum Emulator für alte Videospiele aufgerüstet. Denn der günstige, kultige Mini-Computer ist äusserst vielseitig: Er kann dumme Fernseher smart machen, er ist ein ideales Medien-Streaming-Hilfsmittel, er verwandelt alte Drucker in Netzwerkdrucker und hilft bei der Heimautomatisierung.
Und eben: Er lässt sich auch in eine Retro-Spielkonsole verwandeln, zum Beispiel eine Super Nintendo oder in eine N64 – oder aber in fast jeden Videogame-Oldie,angefangen beim Amiga, Atari und C64, Dreamcast, GameCube, Megadrive, bis hin zum Gameboy, Nintendo DS, den alten Sony Playstation oder der Wii.
Wir erklären, wie das geht, welche Hilfsmittel es für die Steuerung braucht, wie man an die Spiele gelangt und den Raspi an den Fernseher anschliesst. Und Kevin erklärt und, für welche alten Spiele sich der ganze Aufwand auch wirklich lohnt. „Herdöpfelsalat, Wienerli und NBA Jam“ weiterlesen
Ab Donnerstag kicken sie wieder – und die fussballunkundigen Nerds fühlen sich noch aussenseitiger als sonst. Denn wer nicht weiss, was eine Abseitsregel ist, warum es die zwei Tore braucht und wie man sich mit einem Wodkafrühstück rechtzeitig in Stimmung bringt, der hat es dieser Tage schwer. Immerhin: Nicht mehr so schwer wie früher. Seit es Streaming und Videospiele gibt, gibt es ein mediales Entkommen. Und vielleicht ist die WM für manche eine willkommene Gelegenheit, etwas besonders Nerdiges zu tun – Cosplay, Fantasy Football, Dungeons & Dragons oder Laser Tag, um nur einige Möglichkeiten zu nennen.
Und es gibt sie ja auch, die Nerds der anderen Sorte – die mit einer Ader für Fussball. Maege gehört zu dieser Spezies, und er wird sich alle Mühe geben, Matthias wenigstens mit der wunderbaren Welt des simulierten, digitale Fussballs vertraut zu machen. „Als Nerd die Fussball-Orgie überleben“ weiterlesen
Zwischen 2012 und 2016 soll der deutschsprachige Buchmarkt über sechs Millionen Käufer verloren haben. Die Zahl der Leser nimmt ab, die der Nichtleser zu: Weniger als die Hälfte (42 Prozent der Deutschen) greift mindestens einmal die Woche zu einem Buch. Besonders gross ist der Rückgang bei den Jungen und halbwegs Jungen (in den beiden Gruppen der 14- bis 29-Jährigen und der 30-bis 59-Jährigen) und bei den Leuten mit geringer Schulbildung.
Die Gründe liegen auf der Hand: Es gibt einfach zu viel Konkurrenz durch Smartphone und die anderen (digitalen) Medien. Der Druck im Alltag nimmt zu, sodass es für viele offenbar immer schwieriger wird, die notwendige Zeit und ausreichend Konzentration aufzubringen. Wird das Buch in einer digitalen Welt zum Nischenprodukt?
Oder liegen die Rückgänge bei den Leserzahlen vielleicht auch daran, dass der deutsche Buchhandel den Medienwandel verschlafen hat? Das Hörbuch zum Beispiel ist ideal für multitaskende Nutzer, indem es auch die parallele Nutzung beim Sport, bei der Hausarbeit oder beim Pendeln zulässt. Doch das Hörbuch ist inzwischen fest in der Hand der Amazon-Tochter Audible – die hiesigen Anbieter haben den Wechsel von der CD zum Download offenbar komplett verschlafen.
Besteht noch Hoffnung? Oder sind Bücherwürmer eine aussterbende Spezies? Wir diskutieren das mit Gregory Zäch. Er ist Gründer und Inhaber des Zürcher Midas Verlag, der sich immer wieder mit der wechselhaften Gunst des Publikums herumschlagen musste. Der Midas-Verlag hatte ursprünglich eine breite Palette an Computerbüchern – ein Genre, das fast vollständig weggebrochen ist.