2016 war ein grässliches Jahr: Terror, Trump und – wo David Bowie, Prince und Leonard Cohen von ihren Wolken auf uns herunterschauen – tote Musiker. Und kaum etwas, das uns so richtig aufgeheitert hätte, abgesehen zum Nein zur Durchsetzungsinitiative.
In der digitalen Welt sieht es leider auch nicht viel besser aus. Zwar können wir auf einige nette Gadgets zurückblicken. Doch abgesehen davon hat 2016 uns Nerds nicht gefreut: Das Ja zum neuen Nachrichdendienstgesetz, immer neue Sicherheitslücken in Android, Meinungsmanipulation im Netz, Filterblasen und Fakenews – man könnte hysterisch werden.
Und trotzdem versuchen wir in unserem grossen Jahresrückblick diesem 2016 auch den einen oder anderen positiven Aspekt abzugewinnen. Mit reichlich Gelassenheit, etwas Zynismus und so viel Optimismus, wie wir mobilisieren können, gehen wir den digitalen Realitätsabgleich an. So heisst es im Nerdfunk, wenn sich Kevin, maege und Matthias treffen, um bei den Gadgets, bei der Software, dem Web und den digitalen Inhalten Tops und Flops zu küren und den Ab-, sowie den Aufsteiger zu küren.
Uns besucht Michael Eugster im Studio. Er ist Blogger, Absolvent der ZHDK, Kaffee-Nerd – und über alle diese Dinge erzählt er uns in der Sendung in unserer lockeren Reihe von Blogger- und Nerdportraits.
Was hat es mit diesem Storytelling auf sich, von dem man so viel hört? Warum bloggen wir überhaupt – und zu welchen Themen? Wie gehen wir damit um, wenn uns Unternehmen für ihre Zwecke einspannen wollen? Und was hat es mit diesem Kaffee-Abo auf sich, das Michi ins Leben gerufen hat?
Die Welt ist nur eine Simulation und wir leben in einer Matrix. Das haben Wissenschaftler neulich hieb- und stichfest bewiesen.
Es hilft aber trotzdem nichts: Wir müssen uns mit Donald Trump abfinden und heute wieder einmal eine schöne Folge von Kummerbox live abliefern. Und das tun wir, in gewohnt konzentrierter Manier – aber nicht ohne einen Exkurs darüber zu wagen, wie wichtig geregelter Schlaf auch für uns Nerds ist.
Nichstdestotrotz haben wir es geschafft, vier komplexe Fragen abzuarbeiten:
Schon lange haben wir eine Sendung zu dem spannenden Thema der Internet-Meme geplant – doch wo findet man die Experten, die eine so schwer fassbare Materie verständlich, kompetent und einleuchtend erklären könnten?
Wir fragen uns: Was sind Memes, wie entstehen sie, wo findet man sie und welche kulturelle und politische Bedeutung haben sie? Und natürlich kommen wir nicht darum herum, unsere Lieblings-Memes durchzukauen!
Die Aktualität lässt uns diese Woche nicht kalt. Wie könnte sie auch, wo wir draussen bei gefühlten 20 Minusgraden senden – open-air live vom Rummel aus der Esse Music Bar in Winterthur. Es steht eine Folge von Rant Tuesday mit Digichris an, wo wir den digitalen Wutbürger geben und so richtig Dampf ablassen – über alles, was uns stört im Netz und auf unseren Festplatten. Und es diskutiert auch Andrew Wolfensberger mit – er ist Master of Rummel bei Radio Stadtfilter.
Die Aktualität, über die wir heute Dampf ablassen, ist natürlich dieser Typ, der ennet dem Teich in ein hohes Amt gehievt wurde und nun mit roten Knöpfchen spielen darf. Und über den wir uns ein bisschen aufregen – allerdings nicht so gekonnt wie der Mann von der Taz.
Marko Kovic sagt, dass viele Engagierte im Netz gar nicht so hehre Motive haben, wie sie uns glauben machen. Initiativen von unten, direkt aus dem Volk, sind oft gesteuert – und die Kämpfer in eigener Sache eigentlich nur Marionetten. Das Phänomen nennt sich Astroturfing. Das ist eine Anspielung an eine Kunstrasenmarke, die darauf abzielt, dass wir es nicht mit echten, sondern künstlichen Graswurzelbewegungen zu tun haben.
Im Gespräch finden wir heraus, mit welchen Methoden die Astroturfer operieren – wie sie die öffentliche Debatte mit gestreuten Kommentaren, mit Social-Media-Bots und mit und tendenziösen Wikipedia-Artikel mainipulieren. Und wir fragen uns, was man gegen diese unfaire Beeinflussung der öffentlichen Meinung tun kann, und wie man die Astroturfer überhaupt erkennt.
Zur Person: Marko Kovic, Politik- und Kommunikationswissenschaftler, ist Präsident von Zipar – Zurich Institute of Public Affairs Research und von Skeptiker Schweiz – Verein für kritisches Denken. Er arbeitet ausserdem Teilzeit in einer Consulting-Agentur für Nonprofitorganisationen.
Tilman Rammstedt ist Buchautor, und er hat dieses Jahr ein spannendes Experiment gewagt: Er hat sein Buch «Morgen mehr» Tag für Tag und Kapitel für Kapitel öffentlich im Internet geschrieben – mit Begleitvideos, Instagram-Bildern, einem Audio-Podcast und Youtube-Trailer. Und natürlich mit Interaktionsmöglichkeiten für die Leser. Und sogar eine Crowdfunding-Kampagne gab es zum Start des Projekts.
Das wirft natürlich diverse Fragen auf: Wird heute auch Literatur als User-generated content erzeugt? Muss ein Autor heute auch sozialmedial sattelfest sein? Gibt es vom Verlag keinen Vorschuss mehr, sodass Autoren ihre Bücher nun von den Lesern vorfinanzieren lassen? Und führt diese totale, internetbedingte Transparenz nicht auch zu einer grossen Entzauberung?
Tilman Rammstedt gibt Auskunft darüber, ob er sich als «Autor 2.0» versteht – und vielleicht auch schon übers Self-Publishing nachgedacht hat…
Die Klagesammlung rührt daher, dass wir wieder Kummerbox live machen. Und bei dieser Sendung hat das Jammern System. Die Lamentos drehen sich um neue und alte iPhones, deren Home-Knopf und den Sperrcode, den Kalender beim Apple-Telefon und nicht mehr funktionierende Wischgesten.
Dass wir heute fast ausschliesslich mit Apple-Problemen konfrontiert sind, wirft natürlich Fragen auf: Ist den selbsternannten Magiern aus Cupertino die viel beschworene leichte Bedienbarkeit abhanden gekommen? Oder haben die Nutzer anderer Systeme schon resigniert – namentlich die Android-User, die oft überhaupt keine System-Updates erhalten?
Und als ob das nicht schon genug Obst für einen Abend wäre, befassen wir uns zum Einstieg mit dem iPod, der vor Kurzem seinen 15 Geburtstag erlebt hat.
Wird 2016 das Jahr der virtuellen Realität, haben wir uns vor gut einem Jahr gefragt. Die Antwort ist ein ziemlich deutliches Nein: Wir ziehen uns des Morgens keine Datenhandschuhe über und laufen auch nicht mit Cyberhelmen durch die computergenerierte Welt.
Todsagen wollen wir den Trend trotzdem nicht. Denn auch wenn er unseren Alltag nicht umgekrempelt hat, so haben wir doch die eine oder andere Einsatzmöglichkeit entdeckt. Und darüber sprechen wir:
Über Gadgets und Apps, mit denen man mit VR-Szenarien spielt. Über 360°-Videos und Games, in denen man mit Haut und Haar versinkt. Über die Simpsons, deren Couch in den VR-Space abgehauen ist. Und über die Frage, ob auch dieses Mal die Porno-Industrie einer vor sich hindümpelnden Technologie zum Durchbruch verhilft.
Schwarmfinanzierung, neudeutsch Crowdfunding, ist ungefähr seit 2010 ein Trend: Künstler, Erfinder, verkannte Genies und Game-Entwickler sammeln in der Öffentlichkeit Geld für Projekte, für die Banken und herkömmliche Investoren nie flüssige Mittel rausrücken würden. Kickstarter, Indiegogo und Co. haben spektakuläre Blockbuster-Produkte, aber auch grandiose Fehlschläge hervorgebracht.
Nun wollen wir eine persönliche Bilanz über unsere Investments ziehen: Wo haben wir aufs richtige, wo aufs falsche Pferd gesetzt – und auf welche Produkte warten wir, Jahre später, immer noch?
Im Studio ist Kevin Kyburz, einer der bekanntesten Blogger der Schweiz, der selbst viele Projekte unterstützt hat und auf Erfolge und Fehlschläge zurückblicken kann. Auch Kevin Rechsteiner hat in einige Projekte investiert, während Matthias ein bescheidener Crowdfunder ist – sowohl was die Zahl als auch den Erfolg der unterstützten Kampagnen betrifft. „Bei den Socken hat es geklappt“ weiterlesen