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Guten Abend miteinander. Wenn ihr heute euer Handy habt und das Handy checkt,
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ist ziemlich sicher die Wahrscheinlichkeit gross, dass ein WhatsApp,
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Freema oder was für eine Message kommt.
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Wir sind uns also eigentlich gewohnt, in Echtzeit miteinander zu kommunizieren,
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während wir vor 30 Jahren noch E-Mails geschrieben haben und in der Regel halt
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mehrere Minuten, Stunden, Tage auf eine Antwort gewartet haben.
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Einer der ersten Messenger war ICQ.
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Genau, das war das ekonomische Ding.
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Und jetzt haben wir gehört, dass der Dienst Ende Monat abgeschaltet wird.
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Mach jetzt das während der ganzen Sendung. Ich kann nur sagen,
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nachdem damals noch meine Eltern das hassten, Wenn am PC mein ICQ gelaufen ist
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und die Mutter was gemacht hat und sie immer Oh-Oh gemacht hat,
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die sind fast wahnsinnig geworden.
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Matthias, ICQ, bist du nicht so der Typ gewesen? Du hast ja unser Dokument schon gelesen.
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Nein, ich habe das eigentlich nicht so benutzt.
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Ich habe darüber geschrieben, das ist noch lustig. Ich habe es im Archiv gegraben. Am 4.
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Oktober 2000 hatte ich damals Zürich Express. Weisst du noch,
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wer das war? Ich wusste das auch nicht mehr.
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Ich glaube, als ich damals in Kanti war, gab es an der Tramstation Triemli 20
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Minuten Tabloid-Format.
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Wie nennt man das andere Format?
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Gute Frage, ich weiss es auch nicht. Er war hier aber auch tabloid,
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weil es war hier, wo der Streit zwischen dem norwegischen Verlag Schipstedt war,
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der 20 Minuten hätte kommen sollen und dann wollten die grossen Verleger das
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nicht zulassen und haben dann eine Konkurrenz aufgestellt.
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Und der Zürich-Express ist dann aus dem Tagblatt der Stadt Zürich entstanden
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und jetzt heute gibt es das glaube ich wieder, also das ist dann nur so eine kurze Episode gewesen.
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Aber auf jeden Fall habe ich dort erklärt, dass man chatten kann,
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dass das jetzt eine neue heisse Shit ist, die man so macht.
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ICQ ist dort vorgekommen, gefunden, oder ich habe Prognosen aufgestellt,
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es gäbe dann wahrscheinlich irgendwann mal einen Standort, wo alle in Chats wieder können.
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Und das ist ja eigentlich, da sind wir eigentlich schon,
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Ein lustiger Punkt in dieser Sendung, schon ganz am Anfang.
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Man spricht heute immer noch davon, dass es vielleicht irgendwann mal einen
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Standard gibt, wo die Messenger sich alle miteinander austauschen können.
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Und es sieht aber nicht so aus. Jetzt mal schauen, ob ich das Wort sagen kann.
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Interoperabilität. Genau, Interoperabilität. Das wäre ein grosses Geheimnis,
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das wir hier machen möchten.
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WhatsApp öffnet sich dann mal vielleicht für einzelne Konkurrenten.
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Das geht so ein bisschen, aber es ist eigentlich nicht wirklich ein Standard.
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Nein, und es hat vielleicht zum Vorgreifen, klar hat ICQ auch Konkurrenz gehabt,
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es hat mal so ein Tool gegeben, das Trillion, da hast du dir Plugins reinhauen
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können, und da hast du jetzt halt einfach, ich weiss, ich hatte teilweise halt
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auf, ich glaube damals bin ich auf dem Mac gewesen,
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drei oder vier, ich bin sicher auf ICQ gewesen, auf MSN, und wahrscheinlich,
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was hat es, Und bei Odigo gab es noch einfach drei Tools offen und natürlich
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war überhaupt nichts synchron.
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Ja genau, aber man hat tatsächlich auch von so einer Art Messenger-Krieg gesprochen.
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Da gab es nämlich das ICQ, dann gab es den MSN Messenger,
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der natürlich in guter Windows-Manier direkt eingebaut war im Betriebssystem
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und dann eben so die Leute dazu gebracht hätten, dass sie das brauchen,
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einfach weil sie es schon im Windows vor der Nase hatten,
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es gab aber auch noch das AOL Instant Messenger, das AIM.
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Und ja, es ist also wirklich, eigentlich hier, neben dem Web,
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eines von diesen grossen Dingen gewesen, das das aufstrebende Internet gebracht hat.
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Beim AIM war es vielleicht auch nicht so fair, weil America Online war in Amerika enorm gross.
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In Deutschland wurde du durch Boris Becker bekannt und wenn du dort den AOL-Client
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hattest, warst du automatisch in dem AOL und hast dann irgendwie.
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Auch wenn es ein Online-Dienst war, war ich am einkaufen und plötzlich kam eine Message drauf.
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Was ich noch lustig fand, war, wie ich zu ICQ gekommen bin.
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Das war ein Kollege und ein Wirt, der mir irgendwann mal sagte,
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du kennst ICQ, das ist ein super Tool, musst du dir herunterladen.
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Das habe ich halt mal gemacht.
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Und was für dich bei ICQ noch speziell ist, wenn du heute auf Facebook oder
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was auch immer gehst, logst du dich mit deiner E-Mail-Adresse ein.
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ICQ hat einfach Nummern vergeben, die aufsteigend sind. Und ja,
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ich kenne mich nicht mehr auswendig. Sexy, bitte.
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5x52208. Das ist sehr nötig, muss ich dir sagen. Und die ist ja relativ tief,
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wenn man sieht, dass sie mehrere hundert Millionen Nutzer hatten.
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Es war auch so ein Phänomen. Es ist wie eine Autonummer, ZH...
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ZH1, ja. 53, sagen wir jetzt mal.
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Und spannend war auch der Wirt, der mir das beigebracht hat. Der Wirt.
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Er ist immer noch ein guter Koch, aber auch ein Riesen-Nerd.
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Damals hatte er schon 2,50m Satellitenschüssel auf dem Dach. Ah, eben.
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Er hatte eine Nummer, die sechsstellig war. Die haben es mir dann auch mal geklaut.
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Die ist mir gekackt worden.
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Es war tatsächlich Prestige, eine möglichst tiefe Nummer zu zahlen.
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Mit wem hast du dich die ganze Zeit unterhalten?
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Also viele waren Schulkollegen, also von der Kante, dann hat es sonst,
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also ich muss auch sagen, damals Familien und so, die heute alle WhatsApp haben,
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hatten das noch nicht, was aber in dem ICQ auch noch ganz spannend ist und wenn
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man jetzt nochmal zurückdenkt, am Anfang von Facebook.
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Wenn du jemandem einen Friend-Request geschickt hast, darfst du nur sagen,
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wen du kennst. Was «kennen» auch immer bedeutet.
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Im ICQ hast du, und ich glaube, du musstest aktivieren, mich auf jeden anzuchatten.
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Ich habe auch meine Zürich, Switzerland und alles.
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Und da hat irgendwie, das kann ich jetzt vielleicht vorgreifen,
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ich fand das noch lustig, und es ging einigermassen mit dem Spam,
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einigermassen gegangen, schreibt mich jemand an, sie heisst sie,
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ja, den Namen kann man nicht sagen, es ist 20 Jahre her, Sophia,
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sie sägt ein Oper im Männedorf und sie will Leute aus Zürich kennenlernen.
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Ah, heute würdest du sofort sagen, das ist ein Scam, das ist ein Romance-Scam,
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blockieren und weg damit.
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Aber da ist es tatsächlich so gewesen, dass viele von diesen Anfragen auch tatsächlich
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ernst gemeint gewesen sind.
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Und ich habe, also ich muss schon sagen, es ist nicht so lustig,
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Nein, es ist nicht so eine Romance geworden, ich glaube, ich habe niemals wirklich
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getroffen am Hauptbahnhof, wir trinken
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alles gut und dann irgendwann am Samstagabend, ja, was machst du heute?
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Sie hat sogar einigermassen Deutsch, wir gehen ans Knabenschiessen. Ah, okay.
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Ja, ich bin auch mit ein paar Kollegen und das lernst du auch immer,
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die Skandinavier haben einen hohen Zug drauf beim Bier trinken.
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Ah, du bist unter den Tisch getrunken worden, sagen wir mal.
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Genau, und ich weiss auch nicht was, und dann habe ich sie halt noch wirklich
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als Gentleman zum HB gebracht.
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Die war plötzlich weg und hat nie mehr etwas geschrieben. Ich weiss nicht,
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ob ich mich daneben benannt habe. Ich habe mich zusammengenommen.
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Bist du nicht übergriffen geworden? Nein, ich war ganz lieb.
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Es hatte ja noch andere Kollegen.
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Ja, genau. Also, das finde ich... Wir sind jetzt erst am Anfang dieser Sendung,
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aber wir sind eigentlich schon mitten in diesem Thema.
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Also, erstens muss man sich wirklich vorstellen, dass das noch vor der Zeit
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der sozialen Medien war.
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Und das heisst, man hat das auch wirklich gebraucht, um Leute kennenzulernen.
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Und das ist heute wahrscheinlich nicht mehr so. Heute würdest du das nicht in
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deinem WhatsApp machen.
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Vielleicht allenfalls noch in so einer grösseren Gruppe.
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Aber eigentlich finden soziale Medien das statt und Messenger sind mehr das Private.
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Und vor allem, es war noch die Zeit der Unschuld vom Internet.
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Das heisst, man musste noch nicht bei jedem Klick befürchten,
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dass du von professionellen Betrügern abgezogen wurdest.
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Es ist lange her, dass ich das benutzt habe. Du konntest zum Beispiel Gruppen
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machen, sprich Family, sprich Tante Trudi sieht immer, wenn du online bist.
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Und Leute, die du nicht so gekannt hast, konntest du in eine andere Gruppe machen.
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Die sahen dich nie online, nur wenn du geschrieben hast. Da gab es schon Funktionen,
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eben Filtransfer war etwas und auch da hat es, glaube ich, eben Excel und so
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ist sowieso geblumpt auf VBS, also das konntest du nicht.
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Ich war sowieso auf dem Mac, wäre ein bisschen schwierig gewesen.
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Und wie gesagt, die meisten Leute waren aus dem schulischen Umfeld.
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Ich habe damals, als ich mit dem IRC angefangen habe, wo man da so ein bisschen
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Programme und viele Ausrüstungen hat.
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Internet Relay Chat, das ist wirklich, das müssen wir an dieser Stelle erwähnen,
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das ist 1988 schon herausgekommen, das gehört wirklich, das ist eigentlich älter
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als das Web oder fast so, ja.
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Und man sieht schon, man hat heute die Vorstellung, dass das Internet vor allem
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mal Messagesports gewesen sind und so.
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Aber es gab auch diese Echtzeitkommunikation schon.
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Und das wurde von Finnen erfunden. Dort gab es so ein Unix-Tool-Talk.
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Es kommt aus dieser Unix-Welt heraus.
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Dort konnten aber nur zwei Leute miteinander sprechen. Das war dann ein wichtiger Standard.
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Du warst mehr auf der Messenger-Schiene. Ich war mehr auf der Chat-Schiene.
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Chat heisst, das waren die Chat-Räume, die es überall gab.
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Es gab Blue-Win oder hat es schon Blue-Win? Es war ein Blue-Win-Chat.
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Die haben dann auch nicht eingestiegen, weil es leider viel Grusel drin hatte. Genau, genau.
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Aber es ist, man hätte dort nie gehen können. Und das ist eben wirklich,
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wenn man heute aus Sicht der sozialen Medien schaut, dann ist es eigentlich
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tatsächlich so ein Vorläufer gewesen, halt immer nur in Echtzeit.
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Man war dann drin, wenn man online war, und hat dann mit den anderen Leuten
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gesprochen, die auch online waren.
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Und man ging nicht später rein.
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Ich bin heute ein bisschen ins Gräubeln gekommen und habe mir überlegt,
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wenn man sich mit den Problemen, die wir haben mit den sozialen Medien,
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also der Hass auf Twitter und so, dann ist das auf eine Art vielleicht klar.
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Klar, es waren alle noch etwas freundlicher, weil das Internet noch neuer war
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und man hat für seine Einwahl-Telefonverbindung Gebühren bezahlt und so.
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Also dann hast du dich einfach automatisch ein wenig anständig aufführen wollen.
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Weil du denkst, wenn ich dafür zahlen muss, dann will ich nicht den Hass,
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der mich in mich prügelt.
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Aber es war natürlich auch eine Art Routine, genau wie heute der Hass eine Routine ist.
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Auf eine Art, es gab dann schon die, die sich dann benahmen,
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aber es gab immer auch die Moderatoren in diesen Räumen, in die man banden,
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rausgerührt werden konnte oder stumm geschaltet werden und so.
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Und auf eine Art hat so diese soziale Kontrolle auch schon besser funktioniert.
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Das Thema Echtzeit, auch im IRC, ich, du und Kevin hatten damals einen Chat,
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dann sagte aber meine Mutter, ich muss telefonieren und ich gehe raus,
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was wir inzwischen geschrieben haben, habe ich nicht mitbekommen, es war asynchron.
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Gut, es gab schon Tools, aber das war für absolute Nerds, finde ich.
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Im ICQ gab es auch schon Gruppen-Chats, wir hatten auch einen Klass-Chat.
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Oder wenn ich jetzt einem Kollegen schreibe, du geh mir heute Abend in den Hausgang
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und er ist halt nicht gerade da.
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Dann komme ich eine Stunde später zurück und er sagt, nein, ich habe Hausarrest oder so.
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Das ist zum einen synchron gewesen, aber ICQ konnte das wirklich früher,
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die sogenannten Offline-Messages.
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Weil Amazon Messenger konnte das lange nicht. Das ist auch noch etwas,
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das ich auch benutzt habe. Ich würde schon sagen, ICQ war etwas nördiger.
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MSN wurde irgendwann enorm Mainstream.
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Ich kann so sagen, als ich in Brighton war, im Sprachverband 03,
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es war einfach Jette auf MSN. Ja, genau.
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Microsoft hat dort wahrscheinlich auch das Windows noch mehr seine Wirkmächtigkeit empfalten können.
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Was man natürlich sagen muss, vielleicht ist es eben eventuell jetzt im Ausländischen,
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eben auch ich war wahrscheinlich das erste Mal in meinem Leben,
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also längere Zeit von zu Hause weg gewesen.
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Und einfach das mit den Kollegen chatten konnte, das meiste war Text,
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ich glaube die Voice-Messages kamen später.
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Ich kann dir da noch etwas Details dazu sagen.
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Was natürlich auch noch spannend ist, irgendwann gab es ICQ auf Mobiles,
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aber ich hatte mein erstes Symbian-Smartphone im 03,
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Also das war dann wirklich auch sehr nerdig, es gab so eine komische App,
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du konntest dann auch schon in Zug mit jemandem, also nicht nur SMS,
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sondern auch so Textschreiben, das gab es dort auch schon.
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Weisst du dann noch, wann du eingestiegen bist? Kannst du das datieren irgendwie?
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Also ich muss sagen, die erste E-Mail-Adresse müsste ich in der ersten Sec gehabt
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haben, das müsste so 1995 gewesen sein. Ich glaube, das war noch «atmacworld.ch»,
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wo man auch Andy Heer noch kennt.
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«Gruess an Andy Heer» «krigi atmacworld.ch» oder irgend so was war das. Und eben halt damals...
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Teilweise hast du auch bei diesen Mailboxen teilweise... Die sind ja nicht am Internet gehangen.
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Nein, du bist über den Telefon draufgekommen. Die Mails zu Ihrem Provider sind
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dann 2-3 Mal am Tag raus. Das war überhaupt nicht echt.
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Ich würde sagen, das war eine gekannte Zeit.
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Ich müsste etwa 1998 gewesen sein. Daher auch diese relativ tiefen Nummern.
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Ja, ich kann dank meinen Artikeln, sonst hätte ich keine Ahnung mehr,
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aber dank meinen Artikeln weiss ich noch, ich habe den Artikel aus dem Zürich
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Express schon erwähnt, dann habe ich für den Tagesanzeiger am 6.
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August 2001 und 1 habe ich mal eine grosse Abhandlung darüber geschrieben,
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was das Chatten eigentlich kann und was es da an Kommunikationsmöglichkeiten.
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Gibt im Gruppenbereich oder mit mehreren Leuten. Dort ist eigentlich so...
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Das IRC, der Internet Relay Chat, war wichtig. Das war ein offenes Protokoll.
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Das ist nicht einfach wie heute, wo du einen grossen Betreiber hast, zu dem du musst.
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Das hast du wahrscheinlich auch selber auf deinem Server betreiben können.
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Ich hatte noch nie einen IRC-Server, als Teil eines Netzwerkes. Genau.
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Das war wirklich eine andere Geschichte.
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Und dort hat es halt immer so ein bisschen mit lokalen Bezug,
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was auf eine Art ein bisschen eingeschränkt ist. Du hättest glaube ich auch
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schon so Chats finden können, die du mit Amerikanern hättest.
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Ja, das hat es. Das hat es natürlich gegeben, aber man hat sich schon,
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und ich muss vielleicht auch noch sagen,
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das ist hier Ende der 1990er Jahre und Anfang der 00er Jahre,
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das meines bevorzugten Dating-Tool gewesen Ich kann es nicht direkt mit Tinder
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vergleichen, weil Tinder gab es noch nicht,
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bevor ich unverheiratet war.
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Ich kann das nicht direkt vergleichen, aber das war aus meiner Sicht eine gute
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Methode, um Leute kennenzulernen.
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Du kannst ihn aus freundschaftlichem, beziehungsmässigem oder sexuellem Interesse,
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das ist dann egal gewesen, da hast du dich dann schon gefunden.
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Aber heute ist alles so durchkommerzialisiert. Genau, richtig.
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Ich habe das Interoperabel rausgebracht. für das nicht.
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Heute musst du zu einer Dating-Plattform und auf Facebook kannst du es eh vergessen.
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Wie wir gesagt haben, jeder denkt an den Romance-Scam, jeder denkt an das Pig-Butchering,
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was ja auch so ein neuer Ding ist.
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Also du kannst es vergessen und das ist da eben wirklich noch gegangen und natürlich
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hat es da viele Leute gegeben und natürlich haben nicht immer alle so, aber eigentlich,
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sind alles so ein bisschen Nerds gewesen, Freaks und wo alle das ausprobieren wollten.
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Aber ich glaube, auch noch schnell wegen Dating oder so, es muss nicht nur ums Dating gehen.
0:18:20–0:18:24
Ganz am Anfang hattest du auf Facebook das Zeug, du hast ja früher noch wirklich
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enorm viel an dieser Wall gemacht.
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Jetzt irgendjemand schreibt einen Status, du sagst, Hans Müller hat das kommentiert.
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Moment mal, den kenne ich doch.
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Ah ja, der ist drei Jahre lang in der Matina bei mir gesessen,
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ich habe ihn nie mehr gesehen. Und oftmals, wenn du eben nicht befreundet bist,
0:18:46–0:18:51
hat Facebook einfach die Message wirklich so in einer Spam-Orden verschachtelt,
0:18:51–0:18:53
dass du nicht gesehen hast.
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Und ich bin schnell begeistert, wie gesagt, es ist ein nördliches Publikum,
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aber jetzt bei dem Wirt, der ist ursprünglich aus Portugal, hat dort Familie.
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Und wenn wir zurückdenken, 1998, 1999, hat eine Minute Portugal ein bisschen
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mehr gekostet als heute.
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Genau, vielleicht neige ich jetzt vor allem auch zur Verklärung,
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das kann schon sein, aber es ist, ja,
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dass einfach alles noch so ein bisschen mehr im Fluss war und auch irgendein
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Schweizer Anbieter die Chance hatte,
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so ein Produkt zu lancieren, das ist auf eine Art, und eben,
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es waren nicht alle drei globale Konzerne.
0:19:32–0:19:34
Und wenn ich noch ein wenig weitermachen darf, vielleicht schnell,
0:19:34–0:19:39
es gab ja dann die Grafik-Chats, wo man dann in so einer Welt reingegangen ist.
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Das hat dann irgendwann mal zu einem Second Life geführt, aber es gab ganz andere, diverse von denen.
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Ja, Abba Hotel zum Beispiel. Abba Hotel, war das nicht sogar ein Schweizer Ding?
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Nein, ich glaube, das waren Holländer, wenn ich mich jetzt...
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Ja, kann sein, aber es war auch mehr so ein europäisches Ding.
0:19:58–0:20:02
Und ich habe dann in diesem Artikel, und übrigens dank meinem schönen...
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Artikelarchiv, wo ich mal in mühsamer Kleinarbeit gemacht habe,
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findet ihr die Artikel im Original dann auch als Link in den Shownotes,
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wenn ihr das nachlesen wollt, wenn ihr vielleicht ähnlich sentimental werdet
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wie wir jetzt oder wie ich.
0:20:18–0:20:23
Und eben musste ich erklären, was ein Avatar eigentlich ist und dass man dort
0:20:23–0:20:30
eben so 3D oder auch 2D, je nachdem, kann man dann zu diesen Leuten herangehen und sich mit denen.
0:20:32–0:20:35
Unterhalten. Und es ist eben auch dort wirklich noch so das gewesen,
0:20:35–0:20:39
was heute eigentlich vielleicht fast wieder auch ein bisschen verloren gegangen
0:20:39–0:20:46
ist, weil es halt so viele Trollen in diesem Netz hat und so viele Russen, Demagogen und so.
0:20:46–0:20:50
Oder du hast halt auch so, was ich schon gesehen habe, wenn ich mal eine gewisse
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WUK-Zeitschrift kritisiere,
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gut, ich muss auch sagen, ich habe jetzt bei mir wie sagen wir,
0:20:55–0:21:00
also die Menschen auf Twitter, ich sage nicht Ich sage Twitter so mal eingeschränkt,
0:21:00–0:21:05
dass er wenigstens Leuten, die nicht SMS oder Mail verifiziert sind, ausblendet wird. Ja.
0:21:05–0:21:09
Und dann geht es. Und wenn du dann natürlich auf deinen Tweet klickst und siehst,
0:21:09–0:21:11
da sind Leute, die mir nicht folgen und so.
0:21:11–0:21:16
Und wenn du mal sagst, dieses Drecks, dass das einfach gerade so vorkommt.
0:21:16–0:21:21
Und klar, sowieso, seit Elon übernommen hat, ist die Stimmung wirklich...
0:21:22–0:21:27
Es ist ziemlich blöd geworden, dass im ICQ dir vielleicht mal ein Kollege gesagt hat, du spinnst.
0:21:28–0:21:34
Natürlich, nein. Schon von Anfang an konnten diese Chats eskalieren.
0:21:34–0:21:37
Immer am Schluss haben sich die Leute gesagt, du bist ein Nazi.
0:21:38–0:21:41
Das ist das Godwins Law.
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Jede Diskussion im Internet ändert, damit die Leute sich als Nazis bezeichnen.
0:21:46–0:21:53
Aber ich finde es noch süss, wenn ich das hier beschreibe. Ich habe einen Soziologen
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gefunden, Christoph Müller, man sagt ihn nicht mehr, aber er war an der Uni Bern.
0:21:58–0:22:05
Und dort ist das auch noch die Identität als eine multiple und wandelbare Form
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der Selbstdarstellung.
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Das hat man wirklich ausprobieren können.
0:22:09–0:22:14
Und man konnte auch mal eine Frau sein. Natürlich wurde es dann irgendwann von allen angepackert.
0:22:14–0:22:17
Und dann haben die meisten, die Vernünftigen, dann gefunden,
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dass ich keine Lust darauf habe. ich bin jetzt doch wieder ein Mann und dann
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gab es die Dummen, die weiterhin Frauen waren, bis dann irgendwie,
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die Eskalationsstufe auch erreicht war, aber sei es drum, man hätte es wirklich,
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ausprobieren können, es gab natürlich auch.
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Online-Sex oder Sex-Geschwätz und so hat es auch schon gegeben,
0:22:45–0:22:50
aber so richtig Sex-Ding nach dem heutigen Maßstab ist Das war wahrscheinlich
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die Auflösung des Gewinns, glaube ich.
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Aber ich habe gesagt, ich sei nostalgisch. Wie geht es dir? Wirst du auch nostalgisch,
0:22:59–0:23:01
wenn du daran zurückdenkst?
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Ja, du hast wirklich nette Sachen gemacht.
0:23:05–0:23:10
Ich habe mir vor ein paar Monaten geschaut, ich könnte mich noch einloggen,
0:23:10–0:23:13
aber es ist natürlich niemand mehr online. Irgendwie ist es schon schade.
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Ich habe das natürlich täglich benutzt.
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Mit Schulkollegen, zwei, drei in der Familie hatten das auch.
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Das ist schon irgendwie schade, weil wie gesagt, ich schreibe dir eine Mail
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und je nachdem wer es ist, damals noch kein DSL oder Cable, hast du vielleicht zwei,
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drei Tage gewartet, bis mal jemand die Mail beantwortet hat.
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Dann hast du nochmal zurückgeschrieben, das habe ich nicht verstanden und das
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war dann wirklich Realtime.
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Und vielleicht was die auch schon erfunden haben, was du ja heute hast,
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es ist dann irgendwann ein Gemischtwarenladen geworden.
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Du hast glaube ich Games spielen können, hast das machen können,
0:23:54–0:23:56
das jetzt nicht gerade, hast Geld überweisen können.
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Du sagst das, aber man sieht schon, die Geschichte wiederholt sich auch dort ein bisschen.
0:24:02–0:24:06
Man hat das hier noch nicht Super App oder Everything App genannt,
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wie heute eben so ein Twitter oder ein Facebook werden sollte.
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Auch, dass du alles in einer App reinmachen kannst. Aber es hat dann schon auch
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ganz viele Funktionen aufgesogen.
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Ja, und...
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Wie gesagt, was mich wirklich fasziniert in Brighton ist, dass jeder im MSN, das heisst auch immer,
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du hast halt in dieser Sprachschule manchmal einen Computerraum,
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dass vielleicht Texte stippen, und es heisst immer, do not sign into MSN Messenger.
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Ah, tatsächlich. Viel das mich an.
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Ja, genau. Du hast gefragt, hätte man nur per Text reden können oder in dieser virtuellen Welt.
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Aber nein, es gab tatsächlich auch schon die Möglichkeit, via Mikrofon oder
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sogar via Kamera zu reden.
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Ich glaube, dort ist tatsächlich Microsoft mit dem NetMeeting.
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Vielleicht erinnert ihr euch an das noch. Dort konnten auch Unbekannte miteinander
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in Kontakt treten und es ging dann wahrscheinlich nicht ganz so schnell wie bei Chatroulette.
0:25:11–0:25:15
Für die, die sich noch erinnern, bis du jemanden ohne Hosen gesehen hast.
0:25:15–0:25:17
Aber es ist, glaube ich, auch schon da passiert.
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Eben, auch bei diesem Kollegen, also ich glaube, das hatten wir dort wahrscheinlich 1928 oder 1956.
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Und ja, es ist halt eben, wenn deine Tante in Portugal wenigstens von der Umriss
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her gesehen ist und es halt halten tut, aber du hast sie dann irgendwie gesehen,
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weil du nicht Alltag auf Portugal haben konntest.
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Und das war für dich enorm wichtig.
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Und ich glaube, die Videotelefonie, das ist ja auch schon so etwas Futuristisches.
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Ich bin dem ja mal ein bisschen nachgegangen und die Ideen gehen ja wahnsinnig
0:25:52–0:25:55
weit zurück, dass man sich irgendwie überlegt hat,
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dass man, wenn man schon, wo eigentlich das normale Telefon erfunden worden
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ist, haben die Leute sich überlegt, dass irgendwann mal müsste das mit Bild
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gehen und es ist auch immer mal wieder,
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ausprobiert worden, aber es hat einfach technisch, ist es anspruchsvoll.
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Es hat SRF mal eine Quizshow gegeben, ich glaube, es war sogar mit Heinz Marco,
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mega herz, und da hatte es auch immer einen Kandidaten, und die hatten dann Videotelefonie.
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Es war natürlich eine krottige Auflösung.
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Aber ich sage jetzt wahrscheinlich auch die Leute, oh was, jetzt sehe ich das Gegenüber. Ja, genau.
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Es war wirklich spannend. Und die Artikel, die ich gesagt habe,
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in den Shownotes auf nerdfunk.ch findet ihr die.
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Und ich möchte euch da schnell den letzten Abschnitt vorlesen.
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Und das heisst, seit einiger Zeit mehren sich die Anzeichen,
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dass sich das Phänomen auf die Mobiltelefone ausweitet, um jederzeit Zugang
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in die Community, die virtuelle Heimat zu gewähren.
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Ist das tatsächlich so? Das ist schon eine Art virtuelle Heimat gewesen.
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Mena, weder sagen wir jetzt Facebook heute oder so.
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Und das Chatten ist ein zentraler Aspekt in der neuen Swisscom-Site friendzone.ch,
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die jungen Handybenutzern ortsbasierte Dienste bietet.
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Und auch das war sehr lustig. Per Handy und SMS kann auch auf dem Teletext bei
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TV3, vielleicht erinnert sich manche noch daran,
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die hat mein damaliger und
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heutiger Arbeitgeber betrieben den Fernsehsender und
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er ist dann mal eingegangen und ist ganz teuer geworden für das Unternehmen
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nur die Liquidation also der besondere Kitzel dabei ist dass trotz Anonymität
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der Chat in einer grossen Öffentlichkeit stattfindet noch wichtiger ist die
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Nabelschau beim Chat des deutschen Radiosenders SWR3,
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jeweils ab 2 Uhr morgens kann das Chatgeschehen auf dem Programm des Südwestfunks verfolgt werden.
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Also per Computer hast du dich direkt im Fernsehen unterhalten können.
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Das ist auf eine Art noch lustig.
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Und heute kannst du sagen, mit TikTok und so machst du gerade von deinem Computer
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aus dein eigenes Fernsehen.
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Aber hierzu mal, ist das auf eine Art noch eine sympathische Symbiose oder Fusion
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von klassischen Medien und neuen Medien gewesen? Doch, kann man so sagen.
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Die Teletext-Chats hatten auch SRF-Teilweise.
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Da war nur eine SMS 1.50 Franken.
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Damals musste ich mein Abo eh selbst bezahlen, sprich, ich lasse es bleiben.
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Genau. Es war eine teurere Angelegenheit, wenn man sich erinnert,
0:28:43–0:28:45
man chattet stundenlang, aber du bist für.
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Hoffentlich zum Ortstarif eingewählt oder dann halt zum Ferntarif.
0:28:53–0:28:56
Ich bin am Anfang, als ich noch in Thalheim an der Tour gewohnt habe,
0:28:57–0:29:00
musste ich einen Ferntarif zahlen und dort hast du dann schon überlegt,
0:29:01–0:29:02
dann bin ich lieber in die Uni
0:29:02–0:29:06
gegangen, um zu chatten, was ich an der Uni auch fleissig gemacht habe.
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Dann ist irgendwann aber tatsächlich diese Sunrise-Flatrate gekommen.
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Ja. Ich weiss nur, damals, das ist dann
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auch so etwas, vielleicht ein Paradigmenwechsel. Das höre ich auch mal.
0:29:15–0:29:19
Oder du bist von der Schule nach Hause gekommen, hast ICQ-Messages,
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beantwortest diese, machst Disconnect.
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Und dann ist die Flatrate gekommen und du hast gewusst, ab 5 Uhr ist gratis.
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Ich glaube, das ist bei dir... Ja, das stimmt.
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Das stimmt, ja. Aber ich glaube, über das, wir sind fast am Ende dieser Sendung,
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müssen wir mal extra aufgreifen, wie das eigentlich so war, ist der Wandel von Dial-Up zu,
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Flatrate und was das alles ausgelöst hat.
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Und teilt uns mit auf nerdfunk.stadtfilter.ch ob ihr die.
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Retrosendungen eigentlich gut findet oder ob ihr findet, die alten Männer erzählen
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vom Krieg, das will doch niemand mehr hören.
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Also da sind wir gespannt drauf. Und wenn ihr eigene Chat-
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Anekdoten habt, wenn ihr eure Frau so kennengelernt habt, wenn ihr vielleicht
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eine Geschlechtskrankheit auch eingefangen habt, dann tun wir das gerne in einer
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nächsten Sendung aufgreifen.
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Gut, alle miteinander. Tschüss zusammen.
Beitragsbild: Nostalgische Hardware für sentimentale Software (iBook G3 466 MHz Blue/White Clamshell, Carl Berkeley/Flickr.com, CC BY-ND 2.0).
In zwei Wochen und einem Tag ist Schluss: Am 26. Juni wird der russische Betreiber ICQ endgültig den Stecker ziehen. Wem diese Abkürzung nichts sagt, der ist entweder jung – oder er oder sie hatte in den Nullerjahren Besseres zu tun, als die Zeit mit Instant-Messaging zu verbringen. ICQ steht für «I seek you» und für ein Programm, das zwar nicht das einzige seiner Art war, aber einen so legendären Status erreichte, dass manche User von damals auch heute noch die Nummer kennen, mit der sie sich eingeloggt haben.
Trotz akuter Nostalgie-Gefahr entbieten wir ICQ das letzte Geleit und zollen dieser massgeblichen Anwendung des jungen Internets unseren Respekt. Wir spannen den Bogen aber noch etwas weiter und erinnern uns an die vielseitigen Kommunikations-Möglichkeiten, die vor 25 Jahren entstanden sind. Es gab Chat-Anwendungen in diversen Ausprägungen: Nebst reinen Textkonversationen traf man sich in Gestalt eines Avatars in 3D-Umgebungen, was schliesslich in einer digitalen Welt (Second Life) gipfelte. Diese neuen Möglichkeiten haben damals für schlaflose Nächte gesorgt, sie waren in romantischen Belangen nicht unwichtig und dem Vernehmen nach soll damals irgendwann der Cybersex erfunden worden sein.
Das Ende kam mit den sozialen Medien. Und angesichts von Facebook, Instagram und Tiktok kommen wir um die Frage nicht herum, ob bei der digitalen Kommunikation früher nicht alles besser war.
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Ich fände es cool, wenn weiterhin Retro auf Nerdfunk besprochen wird. Mit meinen 67 Jahren habe ich ab und zu einen Bezug.
Auch ich tummelte mich dazu mals ein wenig auf ICQ rum; es spielte aber für mich nie eine grosse Rolle.